Franz Thomé

Der Theaterdirektor, unter dem die Praga entstand: eine Karriere von Wien über Riga nach Prag, und ein Ehrengrab auf dem Olšany-Friedhof.

Carl II. der Frauenprüfer · 1807–1872 · Direktor des Prager Ständetheaters

Moderne, künstlerisch gestaltete Illustration eines vollbärtigen Mannes im Gehrock, nach den überlieferten Beschreibungen Franz Thomés
Kein zeitgenössisches Porträt Franz Thomés ist in einer für diese Seite ausreichenden Auflösung überliefert — die einzige bekannte Originalabbildung (Illustrirte Zeitung) ist dafür zu klein. Diese Seite zeigt darum eine moderne, künstlerisch gestaltete Illustration nach den überlieferten Beschreibungen. Sie ist keine historische Aufnahme.
„Lulu, liebe Freunde. Seht euch um."
Das hätte Carl II. der Frauenprüfer — Franz Thomé, Urschlaraffe und Mitbegründer der Schlaraffia — sicher gesagt, hätte er diese Seite gekannt. Humorvolle moderne Animation, keine historische Aufnahme

Herkunft und Weg nach Prag

Geboren am 21. November 1807 in Wien, Sohn eines Kanzleibeamten im Dienst des russischen Botschafters. Mit siebzehn ging er zum Theater. Es folgten Engagements in Wien, Böhmen, Brünn, Paris, Pest und Nürnberg; ab Oktober 1841 in Mainz, wo er in 29 Stücken die Hauptrolle spielte. Direktionen führten ihn nach Laibach, Lemberg, Klagenfurt, Graz (1850–53) und Riga (1853–58) — dort brachte er 1857 mit dem „Tannhäuser" die erste Wagner-Oper überhaupt nach Finnland. 1858 setzte er sich unter neun Bewerbern um die Leitung des Prager Ständetheaters durch. [HLA-12]

Was er in der Praga war und tat

Thomé ist die Figur, an der die Praga selbst ihren Ursprung festmacht: Sein Zerwürfnis mit dem Künstlerverein „Arcadia" im Frühjahr 1859, ausgelöst durch das Wort „Proletarier", war der Anlass für den Proletarier-Club — aus dem am 10. Oktober 1859 die Schlaraffia wurde. → Ein Wort, das alles auslöste

Als Direktor prägte er das Ensemble, aus dem die Gründer kamen; unter ihm wurden 1866 Smetanas Verkaufte Braut und Die Brandenburger in Böhmen uraufgeführt, und von 1862 bis 1866 leitete er zusätzlich das tschechische Interimstheater. 1859 ließ er, mit Johann August Stöger als stillem Teilhaber, die Neustädter Arena mit 3.000 Plätzen erbauen — ein Bau, der ihn in finanzielle Not brachte und das Zerwürfnis mit Stöger auslöste. [HLA-12]

Was aus ihm wurde

Nach einem ersten Schlaganfall 1870 kehrte er nach Prag zurück und starb dort am 22. Mai 1872, 65-jährig. A. U. 150 (2009) erkor ihn das XXIV. Concil in Vorarlberg zum 21. Ehrenritter Allschlaraffias — 137 Jahre nach seinem Tod. [VCH IV]

Wo er heute liegt

Sein Grab liegt auf dem Olšany-Friedhof in Prag; zum 200. Geburtstag wurde es vom Landesverband Austria restauriert.

„Carl II. ist der Grundpfeiler der Schlaraffia. Er ist das gründende, bindende und versöhnende Princip, mit der Devise »Einigkeit« […] Carl II. ist und bleibt für alle Zeiten der Vater der Schlaraffia. Carl II. ist aber auch der Tyrann von Syrakus, dennoch liebt er Schlaraffia wie sein eigenes Kind."

— Rt Drasal vom Glockenthurm, Chronica Allschlaraffiae [CHR-A]

Quellen zu dieser Person: [HLA-12, CHR-A, VCH IV]Zurück zu den Urschlaraffen