Wer über eine Gedenktafel in der Štěpánská gestolpert ist oder diesen Namen zum ersten Mal liest: Hier steht es in vier Absätzen, ohne Fachwörter.
Kurz gesagt
Schlaraffia ist ein Bund von Männern, die sich seit 1859 zum Spiel treffen. Sie geben sich Ritternamen, tragen eine Narrenkappe, halten einen Hofstaat mit Ämtern und Zeremonien — und meinen damit das Gegenteil von Ernst. Was aussieht wie Ritterromantik, ist ihre Parodie.
Der Wahlspruch lautet In arte voluptas. Wörtlich „in der Kunst die Lust"; die Schlaraffen selbst übersetzen ihn seit jeher mit „Freude an der Kunst". Gepflegt werden drei Dinge: Kunst, Humor und Freundschaft.
Wie ein Abend abläuft
Man trifft sich in der „Burg" — meist ein gemieteter Saal — zur „Sippung". Es wird vorgetragen: ein Gedicht, ein Vortrag, ein Musikstück, ein Scherz. Es wird gesungen, viel und gern. Man redet sich mit Ritternamen an, nie mit dem bürgerlichen Namen; wer draußen Vorstand oder Professor ist, ist drinnen niemand Besonderes. Über Politik und Religion wird nicht gesprochen — das steht seit 1861 in den Statuten.
Was es nicht ist
Keine Loge und kein Geheimbund. Es gibt keine Geheimnisse, keine Verschwiegenheitspflicht und nichts zu verbergen; die Statuten lagen seit 1861 bei der Prager Polizeidirektion.
Kein Karnevalsverein. Die Kappe erinnert daran, aber das Spiel läuft ganzjährig in einer festen Saison — vom Oktober bis in den April — und es hat einen anderen Zweck: nicht das Fest, sondern der Vortrag.
Kein Serviceclub. Es wird nichts organisiert, nichts gefördert, nichts gestiftet. Die Schlaraffia hat kein Ziel außer sich selbst.
Ausführlicher, mit heutigen Beispielen: Unterschied zu Verein, Stammtisch, Karneval und Geheimbund
In fünfeinhalb Minuten erklärt
Und was hat Prag damit zu tun
Alles. Hier hat es angefangen — am 10. Oktober 1859, in einem Wirtshaus an der Ecke Wassergasse und Grube. Von Prag aus verbreitete sich das Spiel über Berlin, Leipzig, Wien und Graz in die Welt; bis 1939 gab es über 300 Reyche in Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika und Australien, mit über 13.000 Mitgliedern. Das Prager Reych trug bis zuletzt die Nummer 1 und den Ehrentitel Allmutter.
1939 wurde es ausgelöscht. Der Bund gibt es bis heute — die Nummer 1 wird nie wieder vergeben.
→ Die Geschichte der Praga → Wer heute mehr wissen oder ein Reych in seiner Nähe finden will: schlaraffenfreunde.de