Die Ysenaha und die Allmutter

Warum ein thüringisches Reych eine Gedenkseite für Prag betreibt — und was die Chronik über Eisenach und die Allmutter Praga wirklich sagt.

Der Satz, der am Anfang stand

In der Chronik des Verbandes Allschlaraffia, Band II, Seite 471, steht im Artikel über das Reych Nr. 243:

„Im grünen Herzen Deutschlands gelegen, war die Ysenaha ein beliebtes Ziel einreitender Schlaraffen, wie das heute noch vorhandene Schmierbuch nachweist. Üppig blühend, gedeihend auf althistorischem Boden eines Thüringer Sängerkrieges, einer heiligen Elisabeth, eines sprachschaffenden Luthers und der Ehrenschlaraffen Ozean, Parsival, Torquato, Herr Walter v. d. V., Waldmeister, Stromtid, Faust und Wolf Eschenlohr wurde die Ysenaha zur Lieblingstochter Allschlaraffias." [VCH II, S. 471]

Wer das liest, fragt sich zwangsläufig, was aus der Mutter wurde. Diese Seite ist die Antwort.

(Die acht genannten Ehrenschlaraffen sind schlaraffische Ehrennamen für Menschen, die nie Schlaraffen waren, aber als Geistesverwandte geehrt werden. „Ozean" etwa ist Johann Sebastian Bach — der Kantor aus Eisenach.)

Was die Allmutter für Eisenach tat

Genauer als das Ehrenwort ist der Rechtsakt, der zwei Absätze höher auf derselben Seite steht:

„Die Sanktion erfolgte durch Hkt. Fichte der h. Allmutter auf der Veste Wartburg in den Tagen von 6. bis 8. des Brachmondes a. u. 66 (1925)." [VCH II, S. 471]

Die Allmutter Praga hat die Ysenaha persönlich zum Reych erhoben — durch ihre Herrlichkeit Fichte, auf der Wartburg, vom 6. bis 8. Juni 1925. Rt Fichte wurde später Ehrenritter der Ysenaha.

Die Linie reicht weiter zurück

Schon im Juli 1889 — 35 Jahre vor der Ysenaha — feierte der Urschlaraffe Graf Gleichen, einer der Gründer der Praga vom 10. Oktober 1859, auf der Wartburg ein Sommerfest der Reyche Gotaha und Kyborgia. 21 Reyche waren vertreten, über 85 Sassen; es gab eine eigene Eisenacher Festmedaille, gestiftet vom Rt Tunnel der Lipsia. [CHR-A]

Die Ysenaha in Kürze

Reychsnummer 243
Gegründet 25. März a. U. 65 (1924)
Mutterreych Athenae Jenenses (127) — Gründer Rt Archibald der Löwe
Ziehmutter Gotaha (155)
Sanktion durch die Allmutter Praga, 6.–8. Juni 1925, auf der Wartburg
Burgen und Stammtische „Harmonie", „Lutherkeller"
Aufgelöst „freiwillig" am 28. Februar a. U. 78 (1937)

[VCH II]

Zwei Reyche, ein Ende

Die Ysenaha löste sich am 28. Februar 1937 „freiwillig" auf — zwei Jahre vor der Allmutter, aus demselben Grund. Was in Prag 1939 geschah, war in Eisenach schon geschehen. → Das Ende, 1933 bis 1939

Danach ging es weiter, wo es nicht weitergehen durfte: In der DDR sippten die Eisenacher Schlaraffen in wechselnden Heimburgen „unter den Augen der Staatssicherheit"; der letzte Ritterschlag fiel a. U. 99. Rt Graf Steno rettete das Reychsbanner nach Westen und vermachte den Nachlass dem hohen Reych Sugambria — aus diesem Nachlass entstanden die Wartburgritter-Sippungen. Mit dem Ahallaritt des Rt Graf Steno a. U. 126 erlosch die Ysenaha endgültig. [VCH IV]

Und eine Linie, die bis heute läuft

Das Castellum Novaesium zu Neuss veranstaltet als einziges Reych im ganzen Uhuversum ein „Praga-Turney". Begründet hat es Rt Ganymed — „der in der Ysenaha Schlaraffe wurde". [VCH III]

Prag, Eisenach, Neuss. Die Kette ist nie gerissen.

Heute

Am 12. November 2023 trafen sich fünfzehn Interessierte im Augustiner-Bräu in der Georgenstraße zur Wieder- und Neugründung eines Kulturvereins: der Schlaraffia Eisenach e.V., Feldlager Ysen-Aha, Reych-Nr. 9005. Eineinhalb Jahre Vorbereitung gingen voraus; am 11. Dezember 2023 fand im Gewölbekeller derselben Gaststätte die erste Sippung statt — die erste Spielsaison in Eisenach seit dem Zweiten Weltkrieg. Zum Vorstand wählten die Gründer Volker Roeber und Gerhard Mansius (beide Vorsitz) sowie Christina Roeber als Schatzmeisterin.

Diese Gedenkseite ist ein Werk des Feldlagers Ysen-Aha — die Antwort, von der eingangs die Rede war.

„Die Schlaraffen sind zurück", Eisenach Online

Schlaraffia Eisenach