Der Christmond 1897

Die Badenischen Sprachenverordnungen, die Prager Unruhen, die verwüstete Burgschänke, das Standrecht vom 2. Christmond — und die Entscheidung, die die Allmutter Praga am selben Tag traf.

Zehn Tage nach dem Tag, den die Überlieferung als Burgweihe führt, stand die Burg der Allmutter geplündert in der Stephansgasse. Am 2. Christmond 1897 wurde über Prag das Standrecht verhängt — und am selben Tag strich die Allmutter ein Reych aus der Reihe der Reyche, weil dort politisch gestritten worden war.

Christmond ist der Dezember; die Schlaraffen führen die alten deutschen Monatsnamen. Lenzmond ist der März, Ostermond der April, Erntemond der August, Windmond der November. → Anno Uhui: wie Schlaraffen zählen

Die Sprachenverordnungen und was aus ihnen wurde

Im Frühjahr 1897 erließ die Regierung Badeni Sprachenverordnungen, die beide Landessprachen im inneren Amtsverkehr gleichstellten. Sie beruhigten nichts. In den deutschsprachigen Gebieten Böhmens erhob sich Widerstand; in Reichenberg und Saaz kam es zu Angriffen auf die tschechische Minderheit. Nach dem Sturz der Regierung Badeni schlugen die Auseinandersetzungen Ende Windmond und Anfang Christmond 1897 in Prag um.

Angegriffen wurden Häuser, Gasthäuser, Schulen und Geschäfte von Prager Deutschen und Juden; in Karolinenthal, auf dem Ziskaberg, in Smichow, Holleschowitz und Lieben schlugen die Unruhen in Pogrome um. Neben der Polizei musste das Militär einschreiten. Am 2. Christmond 1897 wurde über Prag das Standrecht verhängt, und die Straßengewalt endete. [KAL-25]

Die Burgschänke

Die Burg der Allmutter, kaum drei Wochen bezogen, wurde mehrfach angegriffen. Der Gastraum des Wirtes Töpfer im Erdgeschoss wurde vollständig ausgeplündert. Ein zeitgenössischer Bericht, den der Fachaufsatz des Prager Stadtmuseums zitiert:

„Die Menge drang mit lautem Geschrei und Jubel in das Haus und in die Räume der Restauration im Erdgeschoss, wo die unwillkommenen Gäste wahrhaft barbarisch vorgingen. Von den Wänden rissen sie die Bilder, zerbrachen sie und trampelten darauf, bis nur Fetzen übrig waren; die Büsten an den Wänden rissen sie ebenfalls herab und zerschlugen sie; die Einrichtung der Restauration fiel gleichfalls zum Opfer, so dass kein Tisch und kein Stuhl ganz blieb." [KAL-25]

Weitere Plünderung verhinderten nur die herbeigerufene Polizei und das Militär. Eine Zeichnung des Angriffs, angefertigt 1897 vom Praga-Sassen Parcival de Vry, liegt im Berliner Geheimen Staatsarchiv. [KAL-25] → Die Allmutterburg in der Stephansgasse

Am selben Tag: die Streichung der Saazia

Und am selben 2. Christmond 1897 traf das Allschlaraffische Schiedsgericht, dem die Allmutter vorsaß, eine Entscheidung, die mehr über dieses Reych sagt als jede Festschrift: Es strich das Reych Saazia (99) aus der Reihe der Reyche und beendete damit seine Existenz. [KAL-25]

Grund waren nicht endende Streitigkeiten unter den Saazer Sassen, die in dieser Zeit die Gestalt politischen Haderns angenommen hatten; das Reych war in ein deutschnationales und ein deutschliberales Lager zerfallen. Die Satzung der Schlaraffia verbot Debatten über Politik, Finanzen und Religion ausdrücklich.

Am Tag, an dem über der eigenen Stadt das Standrecht verhängt wurde und die eigene Burg verwüstet in der Stephansgasse stand, setzte die Allmutter dieses Verbot durch.

Wie die Reyche reagierten

Die Reichenbergia griff zur Rhetorik der Deutschnationalen, nannte ihre Stadt einen Wall „inmitten der aufgewühlten Wogen des gigantischen Kampfes zwischen Germanentum und Slawentum", verurteilte den Angriff als Barbarei und rief zu einer Hilfsaktion für die „geliebte Allmutter" auf. Die Berolina übernahm die Koordination und bat die Reyche, zum vierzigsten Stiftungsfest Standbilder, Bilder und Glasfenster für die Wiederherstellung zu stiften. [KAL-25]

Die Praga dankte und lehnte jede Sachhilfe ab — sie vertraue auf die eigenen Kräfte und die Opferwilligkeit ihrer Prager Sassen. Das Concil zu Vindobona im Ostermond 1898 beschloss dennoch einhellig eine Beihilfe von 6.000 Mark aus Fondsüberschüssen. [KAL-25]

Der Preis: die stillen Stiftungsfeste

Der Preis stand in den Jahren danach. Die runden Stiftungsfeste der Allmutter wurden still. Das vierzigste, für 1899 mit Einladungen an alle Reyche angekündigt und auf den Lenzmond 1900 verschoben, fand schließlich nur im engen Kreis der Prager Sassen statt, am 21. Ostermond 1900, im Rahmen eines Ritterschlags. Das fünfzigste wurde 1909 samt VII. Concil nach Vindobona verlegt — die Praga hielt die Sicherheit so vieler Gäste in Prag nach dem Standrecht vom Christmond 1908 nicht für gewährleistet. [KAL-25]

In der Allmutterburg hat nie ein Concil stattgefunden. Die Allmutter war das geistige Zentrum eines weltweiten Bundes in einer Stadt, in der sie keine große Zusammenkunft mehr wagte.

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